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Ölgemälde aus dem Jahr 2017 von einer Mitarbeiterin aus Bangalore

Zwischen innovation und Werten: Mein Weg

Autobiografie von
Dr. Helmut Keller

Wurzeln und geistliche Prägung

Mein Weg begann am 25. Februar 1956 in Landau in der Pfalz. Als Ältester von vier Brüdern wuchs ich im beschaulichen Weingarten auf. Meine Eltern legten durch eine konsequente christliche Erziehung den Grundstein für mein Leben. Ob im Kindergottesdienst oder später in den Jugendkreisen der Stadtmission Speyer – hier wurde ein Fundament aus Vertrauen und Glauben gebaut, das mich zeitlebens tragen sollte. Parallel dazu entwickelte ich am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium eine tiefe Faszination für Technik, die mich zum Studium der Elektrotechnik nach Karlsruhe führte.

Im Jahr 1976, während meines ersten Studienjahres, erlebte ich ein dramatisches Ereignis, das mir die existenzielle Bedeutung meines Glaubens ganz neu vor Augen führte: Ein schwerer Autounfall, den ich als Fahrer und meine vier Mitinsassen wie durch ein Wunder fast unbeschadet überlebten. An meinem schrottreifen Wagen blieb nur eine einzige Scheibe ganz – die Heckscheibe. Auf ihr prangte der Vers: „Wer Jesus hat, der hat das Leben.“ Diese physische Bewahrung inmitten der Trümmer wurde zur unerschütterlichen Gewissheit: Gott ist real, er greift ein und er hält mein Leben in seiner Hand.

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Meine Ursprungsfamilie im Jahr 1970

Akademische Tiefe und die Leidenschaft für Wissenschaft und Lehre

Meinen akademischen Weg beschritt ich an der Universität Karlsruhe (TH), dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Mein Studium der Elektrotechnik, insbesondere die höheren Semester, absolvierte ich mit großem Engagement und Ehrgeiz. Auch wenn ich einen Großteil der Semesterferien opferte, um mich intensiv auf die zahlreichen Klausuren vorzubereiten, genoss ich diese prägenden Jahre in Karlsruhe sehr. In meiner Diplomarbeit, in der ich ein lineares Reglerentwurfsverfahren weiterentwickelte, legte ich den Grundstein für meine spätere Spezialisierung auf dem Gebiet der Regelungstechnik. 

Da ich nach dem Diplom nicht zur Bundeswehr eingezogen wurde, konnte ich unmittelbar im Anschluss eine Assistentenstelle am Institut für Regelungs- und Steuerungssysteme (IRS) annehmen. Dort fand ich meine intellektuelle Heimat. Von 1983 bis 1986 widmete ich mich als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Professor Otto Föllinger der mathematisch anspruchsvollen Welt der nichtlinearen Regelungsmethoden.

Diese Zeit an seinem Lehrstuhl war für mich besonders prägend, da seine fundierte Lehre und sein fachlicher Weitblick mein Verständnis für systemtheoretische Zusammenhänge tiefgreifend formten. In jenen Jahren meiner Assistentenzeit war ich zudem in die akademische Lehre eingebunden: Ich hielt zahlreiche Vorlesungen, betreute Diplomanden sowie Praktikanten und war in die Abwicklung von Prüfungen involviert. 

Inmitten dieser intensiven Forschungsjahre legte ich auch privat den Grundstein für meine Zukunft: Im Juli 1985 heiratete ich meine Frau Iris. Dieser gemeinsame Start gab mir den nötigen Rückhalt für die finale Phase meiner wissenschaftlichen Arbeit und die privaten Veränderungen, die nach dem Ende der Promotionszeit und dem Einstieg in die Arbeitswelt folgen sollten.

Den krönenden Abschluss meiner vierjährigen Forschungszeit bildete meine Promotion im Juni 1986 über den „Entwurf nichtlinearer Beobachter mittels Normalformen“. Diese Arbeit sowie zahlreiche weitere Publikationen legten das wissenschaftliche Fundament für meinen späteren Weg in die industrielle Forschung und Entwicklung.

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Hauptgebäude des "Karlsruher Institut für Technologie (KIT)" im Mai 2027
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Engler-Villa im Jahr 2013 als Sitz des Instituts für Regelungs- und Steuerungssysteme (IRS)

Drei Jahrzehnte bei Daimler: Mobilität der Zukunft

Nach meiner Promotion begann am 1. Januar 1987 meine über 30-jährige Reise bei der Daimler-Benz AG. Es war eine Zeit des Umbruchs: Gemeinsam mit meiner Frau und unserem erst drei Monate alten Sohn Christoph zog ich im März aus meiner pfälzischen Heimat nach Korb im württembergischen Remstal. Der Abschied von der pfälzischen Heimat, die neue Rolle als Vater und die hohen Erwartungen bei Daimler – all diese Umbrüche forderten mir in der ersten Zeit alles ab. 

Beruflich durfte ich während meines Arbeitslebens bei Daimler die technologische Evolution des Automobils an vorderster Front mitgestalten.

1. Der Aufbruch: Von der Theorie in den Algorithmus (1987-1990)

Mein erster Standort bei Daimler war Waiblingen. Dort lag mein Fokus auf der Entwicklung von Allradgetrieben sowie der regelungstechnischen Auslegung von Brems-, Federungs- und Dämpfungssystemen. Es war die faszinierende Herausforderung dieser ersten Jahre, komplexe Algorithmen direkt in spürbare Sicherheit und Fahrkomfort zu übersetzen – Pionierarbeit an der Schnittstelle von Code und Asphalt. 

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Waiblingen, Heerstraße 100:
Der Einstieg in die automobile Evolution
2. Die Ära der Innovation: Die Zukunft des Fahrwerks (1990-1999)

Mitte 1990 zog meine Abteilung nach Esslingen um. Dort durfte ich fast zehn Jahre lang die Zukunft der Fahrwerksysteme mitprägen. Als Leiter der Simulation und Regelungstechnik (Control Systems Design) lag mein Fokus auf der Entwicklung aktiver Federungssysteme sowie visionärer Steer- und Brake-by-Wire-Systeme. Es war eine Ära intensiver Vorentwicklung, in der wir die theoretischen Grundlagen für das Auto der Zukunft legten. Wir arbeiteten an Systemen, die damals noch wie Science-Fiction klangen, heute aber Stand der Technik sind.

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Oberesslingen, Sirnauer Brücke 1:
Visionen in Serie bringen

3. Das technologische Herz: Führung & globale Verantwortung (1999-2019)

Im Sindelfinger Mercedes Technology Center (MTC), dem technologischen Herzen von Mercedes-Benz, verantwortete ich ab Mitte 1999 zwei Jahrzehnte lang wegweisende Projekte. Neben der Entwicklung von Reifendruckkontrollsystemen war ich maßgeblich am internationalen regulativen Prozess der 24-GHz-Frequenzzulassung für Radarsysteme beteiligt. Als Leiter für die Entwicklung von Hardware-in-the-Loop-Prüfständen schuf ich die Testumgebungen für morgen. Mein Weg führte schließlich zur Leitung der Entwicklung von Parksystemen, wo wir von der Parktronic über 360°-Kameras bis hin zu vollautomatischen Einparksystemen neue Standards setzten. Während meiner Sindelfinger Zeit weitete sich mein Blickfeld mehr und mehr von der reinen Technik hin zur globalen Verantwortung. Meinen beruflichen Höhepunkt fand ich in der Leitung internationaler Entwicklungsteams von Parksystemen. 

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Sindelfingen - Mercedes Technology Center:
Von der Sensorik zum autonomen Parken

Mein gesamtes Berufsleben war geprägt von technischer Exzellenz, aber auch von persönlichen Opfern. Viele Wochen verbrachte ich auf Auslandserprobungen, um Algorithmen auf Eis und Asphalt zu testen – eine Intensität, unter der meine Frau mit den inzwischen drei Kindern Christoph, Daniel und Rebekka oft litt, da ich häufig fernab der Heimat unterwegs war. 

Ob bei der Präsentation von Radarsensorik vor US-Botschaftern oder der Serienbetreuung komplexer Fahrwerks- und Assistenzsysteme – mein Ziel war es stets, Sicherheit und Komfort durch technische Exzellenz zu vereinen. Besonders die Vernetzung mit Partnern wie The MathWorks in Boston oder die Leitung deutsch-indischer Teams in Bangalore zeigten mir: Wahre Innovation braucht nicht nur kluge Köpfe, sondern gegenseitiges Vertrauen.

Glaube und Arbeit sind nicht getrennt

Was 1988 mit einem kleinen Gebetskreis in meiner Abteilung begann, wuchs über die Jahrzehnte zu einer weltweiten Bewegung. 2006 gründete ich das Netzwerk „Christen bei Daimler“ (heute Christen bei Daimler und Benz). Für mich war das Berufsleben nie ein Bereich, den ich von meinem geistlichen Leben trennen wollte. Integrität bedeutet, derselbe Mensch zu sein – am Rechner, in der Projektleitung und in der Gemeinde. Ich bin überzeugt, dass christliche Werte wie Wahrhaftigkeit und Wertschätzung gerade im Unternehmen den entscheidenden Unterschied machen.

Als sichtbares Zeichen dafür begleitet mich das Logo unseres Netzwerks: Die betenden Hände. Sie erinnern mich täglich daran, dass wir zwar mit höchster Präzision planen und entwickeln dürfen, die letzte Vollendung aber nicht in unserer Hand liegt. Deshalb lautet der Leitsatz unseres Netzwerks: work and pray | every day.

Heute ruht das Netzwerk auf drei tragenden Säulen:

  • Die Gebetskreise – Das Kraftzentrum: Weltweit existieren über 50 Gebetskreise (davon ca. 30 im Großraum Stuttgart), in denen sich Kolleginnen und Kollegen über alle Hierarchien hinweg treffen, um Gott ganz praktisch in den Berufsalltag einzuladen.
  • Die Christentreffen unterm Stern: Seit November 2006 bieten diese Treffen eine Plattform für Austausch und Inspiration. Prominente Gäste und persönliche Zeugnisse ermutigen dazu, als Christ im Unternehmen Profil zu zeigen.
  • Die Sternstunden: Seit 2023 nutzen wir die digitale Vernetzung für virtuelle Online-Impulse in der Mittagspause. Gastsprecher geben hier wertvolle Impulse, die wie Lichtblicke in den oft stressigen Arbeitsalltag hineinleuchten. Sie werden abwechselnd deutsch- und englischsprachig gehalten.

Mein Engagement im Netzwerk Christen bei Daimler und Benz (CDB) und mein mehrjähriges Ehrenamt als Finanzbuchhalter des Christus-Zentrums Weinstadt (CZW) entspringt genau dieser Überzeugung. Wir wollen Mut machen, den Glauben authentisch in den Berufsalltag zu integrieren.

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Logo des Netzwerks "Christen bei Daimler und Benz"
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14. Christentreffen unterm Stern im Jahr 2019

Über die Werkstore hinaus: Die Gründung des CAI-Netzwerks

Meine Vision war es von Beginn an, dass der Glaube nicht an den Werkstoren von Daimler haltmachen sollte. Im Sommer 2011 nahm diese Hoffnung eine konkrete Form an: Ein Anruf des Industriepastors Peer-Detlev Schladebusch aus der Region Wolfsburg führte zu einem ersten Treffen in Stuttgart. Gemeinsam mit Führungskräften von Volkswagen tauschten wir uns über das „Firmengebet“ aus. Was als informelles Gespräch in einem Restaurant begann, wurde zur Geburtsstunde einer firmenübergreifenden Bewegung.

Am 12. September 2013 wurde schließlich auf der IAA in Frankfurt das Netzwerk Christen in der Automobilindustrie (CAI) offiziell ins Leben gerufen. In der „Lichtkirche“ inmitten des Messegeländes kamen Christen von Audi, BMW, Bosch, Daimler, Ford, Opel und VW zusammen. Unter dem Slogan „Called for Mobility – Zur Mobilität berufen“ entstand eine Plattform, die bis heute zeigt: Wir sind als Christen nicht allein, sondern eine starke Gemeinschaft über Firmengrenzen hinweg.

Besonders bewegend war für mich zu sehen, wie die Erfahrungen aus unserem Daimler-Netzwerk Kreise zogen:

  • Multiplikator für andere: Ich durfte miterleben und unterstützen, wie ab 2014 bei Firmen wie Bosch, BMW und Porsche eigene Christentreffen und Gebetsinitiativen nach unserem Vorbild entstanden.
  • Präsenz auf der IAA: Ob in Frankfurt, Hannover oder München – mit Aktionen wie dem „Café-Bus“ und Kurzandachten unter dem Motto „Wir haben die Laster, Jesus die Anhänger“ bringen wir den Glauben dorthin, wo die Branche pulsiert.
  • Solidarität in Krisen: Besondere Höhepunkte dieser Gemeinschaft waren die ökumenischen Gottesdienste bei Opel in Rüsselsheim (2019) und Audi in Ingolstadt (2020). Inmitten tiefgreifender Umbrüche wurde das Netzwerk zu einem spürbaren Ort der Fürbitte. Es zeigte sich, dass unser Glaube gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten die nötige Stärkung und Orientierung bietet.

Heute ist das CAI-Netzwerk als eingetragener Verein (CAI e.V.) fest in der deutschen Industrielandschaft verankert. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, dass aus den ersten Stuttgarter Gebetskreisen eine Bewegung gewachsen ist, die heute die gesamte Automobilbranche durchdringt.

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Logo des Vereins "Christen in der Automobilindustrie"

Führen mit Werten in Zeiten der Krise

Als Teamleiter war es mein Privileg, eine Kultur der Wertschätzung zu etablieren. Doch mein Weg war nicht frei von Erschütterungen. Zwischen 2002 und 2011 durchlebte ich schwere persönliche und berufliche Krisen – inklusive der Auflösung meiner Abteilung. Doch genau in dieser Zeit erlebte ich eine neue Intensität in meiner Gottesbeziehung. Ich lernte, dass der Glaube gerade dann tragfähig ist, wenn die äußeren Sicherheiten wegbrechen.

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Sindelfinger Gebetskreis während der Mittagspause im Jahr 2019

Heutiges Wirken und Ausblick

Im März 2021 ging ich in Rente und genieße meinen (Un-)Ruhestand in Korb-Kleinheppach. Die Leitung des Netzwerks übergab ich 2021 im Rahmen des 16. Christentreffens offiziell an meinen Kollegen Hannes Ackermann, der zusammen mit einem mehrköpfigen Kernteam die Geschicke der Gemeinschaft verantwortet. Auch ich bin weiterhin aktiver Teil dieses Teams und unterstütze es mit meiner Erfahrung – insbesondere in der Verantwortung für die digitalen Plattformen, die Öffentlichkeitsarbeit und die Kontaktpflege.

Voller Dankbarkeit blicken meine Frau und ich auf unsere drei inzwischen erwachsenen Kinder Christoph, Daniel und Rebekka sowie unsere zwei Enkelkinder. Gerne denke ich an all meine Erfahrungen in Beruf und Ehrenämtern zurück. Mein Leben ist die Geschichte eines Mannes, der die Welt der Algorithmen liebt, aber sein unerschütterliches Fundament im christlichen Glauben gefunden hat.

Es bleibt meine Leidenschaft, Menschen zu ermutigen, ihren Glauben mutig und authentisch dort zu leben, wo sie hingestellt sind – denn Glaube und Arbeit sind nicht getrennt. In meinen Vorträgen teile ich heute die Quintessenz meiner Lebenserfahrungen:

  • Motivation: Warum Gott am Arbeitsplatz präsent sein möchte.
  • Auswirkungen: Wie Gebet die Unternehmenskultur positiv verändert.
  • Praxis: Wie man Gott ganz konkret zwischen Meetings und Mails begegnet.

Meine Botschaft bleibt unverändert: „Seid Euch der Macht Eurer Gebete bewusst!“ Glaube und Arbeit sind nicht getrennt – denn Gott wirkt auch am Arbeitsplatz, wo wir die meiste Zeit unseres Lebens verbringen: mitten im Beruf.

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Korb-Kleinheppach im Remstal im Juli 2008
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Meine Familie im Jahr 2018
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